Nachrichten vom 4. September 2007

Liebe Leserin, lieber Leser,

Nach den Sommerferien hatte ich Lust auf einen Utopieschub. Ich wandte mich per E-mail an ein paar GeschäftsführerInnen verschiedener Organisationen der internationalen Gesundheitszusammenarbeit und schrieb ihnen: "Im Zusammenhang mit der Kampagne 0.7% - Gemeinsam gegen die Armut, die ja mehr Geld für die Entwicklungszusammenarbeit fordert, interessiert mich das folgende Gedankenspiel: Wenn Eure Organisation in den nächsten Jahren unverhofft beliebigen Zugang zu neuen Zuschüssen hätte, welchen Betrag könntet Ihr in den nächsten vier Jahren gemeinsam mit euren Partnerorganisationen sinnvoll in neue oder erweiterte Gesundheitsprojekte und -programme einfliessen lassen? Ich gehe davon aus, dass Eure 'Absorptionsfähigkeit' schrittweise ausgeweitet werden könnte und Ihr somit im Jahr 2011 mehr Geld umsetzen könntet als im Jahr 2008. Aber wie viel?"

Nicht alle Angeschriebenen haben sich grundsätzlich gegen diese halsbrecherischen Spekulationen verwahrt. Ich zitiere drei der eingegangenen Antworten:

"Ich denke, dass wir, wenn wir könnten, per 2011 kontinuierlich von heute 7 auf 10–12 Millionen Franken Umsatz wachsen könnten bei verbesserter Qualität gegenüber heute."

"Wir haben in den vergangenen drei, vier Jahren eine Umsatzsteigerung von 30-40 Prozent pro Jahr absorbieren können. In Zukunft wollen wir aus Gründen der Nachhaltigkeit und der Qualitätssicherung etwas langsamer treten, aber 10-20 Prozent Wachstum pro Jahr mehr wären ohne weiteres drin. Die Globalen Initiativen, wie der Global Fund, oder GAVI, oder andere haben unabhängig davon einen massiven Bedarf."

"Das Szenario würde mir gefallen! Effektives Budget 2007 = 5 Millionen; Wunschbudget 2011 = 200 Millionen"

Gerade die letzte Stellungnahme macht Sie vielleicht etwas stutzig und bestärkt den Kollegen, der keine Zahlen liefern wollte, sondern nur geantwortet hat: "Das ist ein verführerisches, aber auch ein gefährliches Gedankenspiel, das weckt viel Wünsche!" - Aber ist es denn verboten zu wünschen, sich vorzustellen, was wäre, wenn unser Ruf nach mehr Geld für die internationale Gesundheit doch einmal erhört würde?

Ich denke, jede Organisation sollte sich - und ihren Partnern - einmal die Frage nach dem "scaling up" ihrer bewährten Projekte und Programme, nach sinnvollem und nachhaltigem Wachstum im bisherigen oder in einem neuen Rahmen stellen, nicht nur als Werkzeug für die eigene Organisationsentwicklung, sondern auch, um im politischen Diskurs die richtigen Argumente zur Unterstützung der banale Aussage bereit zu halten: Ja, es könnte durchaus etwas mehr Geld für die internationale Zusammenarbeit vertragen...

Meine Mailbox ist nun offen für weitere Rückmeldungen. Aber vorher überfliegen Sie noch die Veranstaltungshinweise und weiteren Nachrichten, OK?

Freundliche Grüsse von

Thomas Schwarz, Co-Geschäftsführer Medicus Mundi Schweiz. Netzwerk Gesundheit für alle

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