Nachrichten vom 7. Mai 2008

Liebe Leserin, lieber Leser

Seit rund einem Jahr spekulieren wir in den Korridoren und an Stehlunchs verschiedener Tagungen, wer und was nach Walter Fust kommen mag. In diesen Tagen hat nun Martin Dahinden die Büroschlüssel von Walter Fust erhalten. Die Frage nach dem Wer ist nun geklärt, doch suchen wir noch nach den Antworten auf das Was.

Seit rund einem Jahr steht die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit unter grundsätzlicher Kritik vor allem von rechtsbürgerlicher Seite. Es war zu vermuten, dass die Wahl in der Presse im Kontext dieser Kritik kommentiert werden würde. Würde der Nachfolger von Walter Fust für eine radikale Neuorientierung stehen? Oder würde Micheline Calmy-Rey umgekehrt mit einem Direktor aus einer traditionsreichen EZA-Organisation ein Zeichen zu einem Neuanfang in ganz anderem Sinne, als es den KritikerInnen lieb ist, geben?

Als die Aussenministerin am 1. April die Wahl Martin Dahindens bekannt gab, blieb diesen Vorzeichen zum Trotz nur ein Säuseln im Blätterwald übrig, einen grossen Umbruch nahmen die Medien nicht wahr. Die NZZ vom 2. April konstatierte zwar, dass davon auszugehen sei, „dass die Dynamik mit der personellen Neubesetzung an der Spitze zunimmt.“ Doch die Westschweizer Le Temps, die am ausführlichsten berichtete, meinte, „dass Martin Dahinden nicht als Revolutionär wahrgenommen werde.“ Er werde wohl auch keine Schatten auf seine Vorgänger werfen und nicht die Rolle als achter Bundesrat spielen. (Le Temps, 3.4.08).

Die Medien heben demgegenüber Martin Dahindens Managementerfahrungen und seine Rolle als Krisenmanager bei der Bewältigung der Visaaffäre in der Schweizer Botschaft in Pakistan hervor. Dies ist allerdings heikel: Die Deza befindet sich nicht in einer Krise – schon gar nicht wegen eines Skandals. Oder wertet die EDA-Chefin die rechtsbürgerlich Kritik als Krisensymptome, welchen Dahinden mit seiner „gesetzten und ruhigen Art“(Le Temps) begegnen soll?

Darauf deutet die Aussage von Calmy-Rey hin, dass für die Wahl Martin Dahindens „die Fähigkeit zur Zusammenarbeit von Bedeutung gewesen sei“. Die NZZ sieht darin eine „Anspielung auf das oft kritisierte Eigenleben der Deza“, und in der Le Temps wird in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit des Austausches mit dem Seco hingewiesen.

Was kommt nun also mit Martin Dahinden? Wohl eine gehörige Portion Pragmatismus. Martin Dahinden hat sich laut Tages-Anzeiger als Anhänger der Hilfe zur Selbsthilfe bekannt. Die Schweiz müsse aber „auch weiter mit eigenen Leuten vor Ort sein“ und mit Hinblick auf den anhaltenden Kampf um die Finanzen für die Deza, „bei den Projekten das Optimum herausholen.“ (Tages-Anzeiger, 2.4.08)

Martin Leschhorn Strebel Medicus Mundi Schweiz

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