Nachrichten vom 8. Juni 2010

Rekrutierung von Gesundheitspersonal: Den WHO-Kodex umsetzen

Es ist vollbracht: Die Weltgesundheitsversammlung hat sich nach einer einjährigen Ehrenrunde und nochmaligen intensiven Verhandlungen auf einen Verhaltenskodex geeinigt, der dem unkontrollierten Abzug von Gesundheitspersonal aus den armen Ländern ein Ende setzen soll.

Die Schweiz hat sich mit verschiedensten Details des Kodex schwer getan: Sollte er tatsächlich als ethischer Kodex definiert werden? Sollten die privaten Gesundheitsanbieter auch angesprochen werden? Wie weit soll die Selbstversorgung von den WHO-Mitgliedsländern verlangt werden? Passt der Verhaltenskodex in ein föderalistisches Gesundheitssystem?

Dem federführenden Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist zugute zu halten, dass es die Zivilgesellschaft – auch das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz – in die Positionsfindung der Schweiz einbezogen hat. Ausserdem ist der vertretene Ansatz politisch relevant, dass die Schweiz nur einen Kodex mittragen könne, den sie selbst auch umsetzen kann.

Und damit sind wir auch bei dem entscheidenden Punkt: Wie wird der Kodex in der Schweiz umgesetzt? Ich sehe zurzeit zwei Schienen: Einerseits sind verschiedene gesundheitspolitische Anpassungen in der Schweiz notwendig, welche die Ausbildung und die Arbeitsbedingungen für hier lebendes Gesundheitspersonal betreffen. Andererseits – und da wird MMS gefordert sein – geht es um die aussenwirtschaftliche und gesundheitspolitische Dimension. Wie wirkt der Schweizer Gesundheitspersonalmarkt auf die Länder in Osteuropa und im globalen Süden? Welche Entwicklungen zeichnen sich ab und wie kann die Schweiz die von der Abwanderung besonders betroffenen Gesundheitssysteme stärken?

Mit dem Entscheid der Weltgesundheitsversammlung ist der erste Schritt getan. Wir werden uns zusammen mit unseren Mitgliedorganisationen, unseren Partnern des internationalen Netzwerks MMI sowie den innenpolitisch engagierten Organisationen, mit welchen sich bereits eine sehr gute Zusammenarbeit entwickelt hat, weiter am Ball bleiben.

Martin Leschhorn Strebel Mitglied der Geschäftsleitung

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