Philippinische Krankenpflegerinnen für die Schweiz – nicht ganz unproblematisch

Seit vergangenem Jahr befinden sich im Rahmen eines Pilotprojektes rund zwanzig Krankenpflegerinnen aus den Philippinen in Schweizer Spitälern. Die PromotorInnen sehen darin eine Möglichkeit, um den Gesundheitspersonalmangel in der Schweiz abzufedern. Die Rekrutierung aus dem südasiatischen Land bringe nur Vorteile: Filipinas gelten als freundlich und anpassungsfähig – ausserdem bildet das Land Gesundheitspersonal für den internationalen Markt aus. Einen Mangel auf den Philippinen gebe also nicht. Im Gegenteil: Auf den Philippinen sind 275‘000 KrankenpflegerInnen als arbeitslos gemeldet.

Wir meinen aber, dass es sich lohnt genauer hinzusehen. Die Philippinen sind nicht der gerne zitierte Sonderfall sondern ein typisches Schwellenland, mit einer enormen wirtschaftlichen, sozialen und damit auch gesundheitlichen Ungleichheit. Gerade auf dem Land ist die Gesundheitsversorgung schwach. Nach Schätzung von lokalen NGOs bräuchte es rund 200‘000 zusätzliches Gesundheitspersonal um die Gesundheitsversorgung für alle sicherzustellen. Das Personal wäre zwar vorhanden – doch das Gesundheitssystem ist zu schwach, es aufzunehmen.

Die Politik, Gesundheitspersonal für den Weltmarkt auszubilden, ist denn auch auf den Philippinen selbst umstritten. Sie trägt nicht wirklich zur Armutsbekämpfung bei – im Gegenteil: Familien verschulden sich für die Ausbildung einer Tochter, die am Ende nur beschränkte Chancen hat, wirklich eine Stelle im Ausland anzutreten.

Im neusten MMS Bulletin haben wir der Problematik einen Schwerpunkt gewidmet. Wir empfehlen der Schweiz aus entwicklungs- und gesundheitspolitischen Gründen dringend genauer hinzuschauen, bevor sie zu einer einfachen Schnelllösung gegen den eigenen Gesundheitspersonalmangel greift.

Martin Leschhorn Strebel Mitglied der Geschäftsleitung

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