Sexuelle und reproduktive Gesundheit – international und national

Es gibt gesellschaftliche Errungenschaften, die auf die Gesundheit unmittelbar positive Auswirkungen haben. Dass der Schwangerschaftsabbruch im Rahmen einer Fristenregelung heute in der Schweiz legal möglich ist, verhindert Leid und Komplikationen für Frauen, die früher auf illegalem Weg abtreiben mussten. Dass heute offener mit Sexualität in ihrer Vielfalt umgegangen werden und auch an Schulen darüber gesprochen werden kann, hat positive Folgen auf die sexuelle Gesundheit von Jugendlichen. Viele MMS-Mitgliedorganisationen können aus ihren Einsatzländern bestätigen, was es für gesundheitliche Folgen hat, wenn in diesen Themenbereichen der gesellschaftliche Dialog tabuisiert wird.

Doch auch in der Schweiz ist dieser gesellschaftliche Fortschritt nicht in Stein gemeisselt. Die geplante Einführung der Sexualerziehung auf den unterschiedlichen Schulstufen wird von verschiedener Seite bekämpft. Und eine Volksinitiative aus evangelikalem Umfeld verlangt, dass Abtreibungen privat und nicht mehr über die Krankenkassen finanziert werden müssen.

Als international tätige Organisationen meiden wir oft die innerschweizerischen Debatten um solche Fragen. Dabei könnten wir mit unseren internationalen Erfahrungen durchaus substantielle Beiträge leisten. Mehr noch: Das politische Engagement in der Schweiz stärkt uns umgekehrt in unserem Erfahrungsaustausch mit unseren Partnern im Süden und deren um einiges schwierigeren politischen und gesellschaftlichen Kontext.

Martin Leschhorn Strebel Mitglied der Geschäftsleitung

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