Sofosbuvir gegen Hepatitis C: Ein Thema der globalen Gesundheit

130 bis 150 Millionen Menschen weltweit leiden unter einer chronischen Hepatitis C Infektion. Eine Folge des Virus ist, dass die Trägerinnen und Träger mit recht grosser Wahrscheinlichkeit eine Leberzirrhose oder Leberkrebs erleiden. Für viele Menschen in armen Ländern bedeutet dies der Tod. 350‘000 – 500‘000 Menschen sterben jährlich als Folge davon. Jetzt gibt es Hilfe - doch diese ist teuer.

Seit relativ kurzer Zeit gibt es nun mit Sofosbuvir des US-amerikanischen Pharmakonzerns Gilead ein Medikament, das ausgezeichnet gegen das Virus wirkt. Damit kann weltweit viel Leid erspart bleiben. Nur ist das Medikament exorbitant teuer. In den USA kostet eine Pille 1‘000 US-Dollar. In Grossbritannien bot Gilead die notwendige 24-Wochen-Kur für 70‘000 Pfund an. Was für ressourcenschwache Länder unvorstellbar ist, treibt auch unsere Gesundheitsversorgung an ihre Grenzen: Der britische National Health Service hat, obwohl die Abgabe aufgrund der hohen Wirksamkeit von der zuständigen Behörde (Nice) empfohlen worden ist, die Entscheidung darüber, ob sie die Kosten trägt, vorerst ausgesetzt. Dies hat zu Protesten von PatientInnenorganisationen und der Wissenschaft geführt. Und in Indien haben die Patentbehörden entschieden, kein Patent zu gewähren, was die Produktion von günstigen Generika ermöglichen würde. Dies könnte ein Segen für die Betroffenen in Entwicklungsländern sein.

Grenzen für alle Gesundheitssysteme

Natürlich: Wir kennen diese Geschichte bereits. Es ist der Konflikt zwischen dem Zugang zu Medikamenten  und dem Recht auf Gesundheit einerseits und der mit der Patentfrage verknüpften Möglichkeit der Pharma zu forschen und Profit daraus zu schlagen. Ich habe schon verschiedentlich auf die Grenze der Patente als Innovationsförderung hingewiesen – doch darum geht es mir diesmal nicht. Interessant ist, dass Gesundheitsbehörden in reichen Ländern vermehrt Mühe bekommen, die Folgen dieses Systems zu tragen.

Und in der Schweiz? Das Bundesamt für Gesundheit hat entschieden, dass die Therapie nur eingeschränkt über die Grundversicherung bezahlt werden muss. Nämlich nur dann, wenn bereits eine Leberzirrhose vorliegt. Auch hier gibt es also grosse Skepsis gegenüber den Kosten, bei einem Medikament, das tatsächlich viel Leid ersparen könnte. Wird also vom BAG die Wirtschaftlichkeit dem Recht auf Gesundheit vorgezogen?

Der MMS Mitgliedorganisation Médecins du Monde ist diese Frage zu fundamental, um sie einfach so weiter laufen zu lassen. Sie hat entschieden, die Patentvergabe hier in Europa gerichtlich anzufechten. Das Patentsystem ist nicht mehr nur eine Frage, welche die ärmsten sondern alle Länder betrifft. Es ist zu einer Frage der globalen Gesundheit geworden.

Martin Leschhorn Strebel
Netzwerk Medicus Mundi Schweiz

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