Universal Health Coverage, Obamacare und das Recht auf Gesundheit

Das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz geht zusammen mit dem Schweizerischen Tropen- und Public Health Institut den Zusammenhängen zwischen einer umfassenden Gesundheitsversorgung für alle und dem Aufbau sozialer Sicherheitssysteme in Entwicklungs- und Schwellenländern auf den Grund.

Eigentlich hatte ja die neue US-Regierung die sogenannte Obamacare (Patient Protection and Affordable Care Act, PPACA) zum Abschuss freigegeben. Gezielt und geschossen wurde mehrfach – getroffen haben die SchützInnen aber nicht. Unterschätzt haben sie den verbreiteten und aktiven Widerstand, den viele US-AmerikanerInnen gegenüber ihren Abgeordneten ausgeübt haben

Breiter Widerstand für das Recht auf Gesundheit

Die Obamacare verfolgt das Ziel, der ganzen Bevölkerung Zugang zu den notwendigen Gesundheitsdienstleistungen zu ermöglichen, ohne dass diejenigen, die diese Dienstleistungen in Anspruch nehmen müssen, unter den finanziellen Folgen leiden. Obamacare ist der Versuch, das globale Universal-Health-Coverage-Konzept auf die USA zu übertragen. Der breite Widerstand gegen den Angriff auf Obamacare zeigt, wie der Anspruch auf eine umfassende, bezahlbare Gesundheitsversorgung für sehr viele Menschen als Grundrecht verstanden wird.

Von den vermeintlich reichen USA auf die globale Ebene: Rund 400 Millionen Menschen haben weltweit keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung. Weltweit droht zu vielen Menschen, die medizinische Behandlung in Anspruch nehmen, dass sie und ihre Familie in eine wirtschaftliche Notlage geraten. Aus diesem Grund spielt in der globalen Gesundheit seit einigen Jahren Universal Health Coverage (UHC) eine zentrale Rolle und hat auch als Unterziel 3.8 Eingang in die UN-Agenda 2030 gefunden.

Grundlagen erforschen

UHC hat sich also auf den Weg gemacht, doch flügge ist es noch nicht. Eine umfassende Gesundheitsversorgung wird nur erfolgreich, wenn die Regierung, die sie umsetzen, sie auch wirklich im Kontext des Rechts auf Gesundheit verstehen, wie dies die VerteidigerInnen der Obamacare durch ihr Engagement aufgezeigt haben. Letztlich muss UHC aber noch umfassender in einem breiten Verständnis des sozialen Schutzes eingebettet werden. Und auch dieser begründet sich über menschenrechtliche Ansprüche.

Mit den Herausforderungen dieser Ansätze setzen wir uns an der International Conference for Research and Development in Bern diese Woche in einer Session auseinander, die wir zusammen mit dem Schweizerischen Tropen- und Public Health Institut organisieren. Uns interessiert insbesondere die Rolle von Nichtregierungsorganisationen, um die Gesundheitsversorgung für alle zugänglich zu machen. Und es interessiert uns die Frage, wie können die verschiedenen Stakeholder zusammenarbeiten, um bessere wissenschaftliche fundierte Entscheidungsgrundlagen für den Ausbau der sozialen Sicherheit in Entwicklungs- und Schwellenländern zu erhalten.

Martin Leschhorn Strebel
Netzwerk Medicus Mundi Schweiz

Newsletter abonnieren