Wem gehören für die öffentliche Gesundheit relevante Daten?

Datenmissbrauchsskandale sind zurzeit in aller Munde. Das schamlose Vorgehen privater Firmen verdeckt, dass in der verantwortungsbewussten Nutzung gesundheitsrelevanter Daten ein hohes Potential für die öffentliche Gesundheit steckt.

Der Facebook-Datenklau hat es an den Tag gebracht; Die von uns übers unzählige Aufrufen von Apps und Webseiten, dem Liken und dem Teilen von Nachrichten generierten Daten haben ein hohes wirtschaftliches und politisches Potential – ein Potential, das die Firma Cambridge Analytica etwa für verschiedene Klienten zur Manipulation von Wahlen missbraucht hat.

Boni und Ausschluss

Da sträuben sich uns natürlich die Haare: Daten, die wir generieren, sollen uns gehören. Wir wollen sie kontrollieren und frei darüber verfügen können. Wenn uns nun Krankenkassen Boni versprechen, wenn wir über ihre Apps unsere gesundheitsrelevanten Daten zur Verfügung stellen, dann können wir uns freuen, wird doch unser gesunder Lebensstil endlich mit ein paar Rappen belohnt. Doch was, wenn unser Lebensstil Daten abliefert, welche unsere Versicherung dazu veranlasst, uns als Risikokunden einzustufen?

In der internationalen Gesundheitszusammenarbeit tätige Personen klagen demgegenüber, dass oft zu wenige Daten vorhanden sind, um adäquate Entscheide für die öffentliche Gesundheit zu treffen. Während wir im Norden eine Datenflut produzieren, die auf beängstigende und hemmungslose Weise zu Geld gemacht wird, werden im globalen Süden zu wenige Daten erhoben und vorhandene Daten zu wenig genutzt.

Daten als öffenliches Gut?

Diese wenigen Streiflichter – und eine kürzlich geführte Diskussion mit KollegInnen einer im Gesundheitsbereich tätigen Stiftung haben mir klar gemacht: Daten sind an sich nicht schlecht; sie enthalten vielmehr ein hohes Potential, um unser Wissen über globale Gesundheitsprobleme zu stärken und um diese auch anzugehen. Damit dieses Potential in positivem Sinn für die öffentliche Gesundheit genutzt werden kann, müssten sie eigentlich in anonymisierter Form als öffentliches Gut definiert werden, das der Forschung und den gesundheitspolitischen EntscheidungsträgerInnen zur Verfügung steht – und das den privaten Interessen entzogen wird.

Martin Leschhorn Strebel
Netzwerk Medicus Mundi Schweiz

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