Wessen Anwältin wird die neue WHO-Direktion?

An der Weltgesundheitsversammlung im Mai wählen die Mitgliedsländer der Weltgesundheitsversammlung den oder die neue Generaldirektorin.

Mai – das ist der Monat der globalen Gesundheit, das ist Monat der Weltgesundheitsversammlung (WHA). Dieses Jahr wird der Zusammenkunft der WHO-Mitgliedsländer mit besonderer Spannung entgegengesehen, die auch schon einzelne Medien auf den Plan gerufen hat. Dabei geht es nicht einmal um eine besonders spannende politische Frage, die auf der Agenda stehen würde. Die Spannung dreht sich um eine Personalie: Wer wird der Nachfolger oder die Nachfolgerin der WHO-Direktorin Margaret Chan.

Reputationsproblem

Erwarten Sie nun bitte nicht von mir eine Vorhersage, ob Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus (Äthiopien), Dr. Sania Nishtar (Pakistan) oder Dr. David Nabarro (Grossbritannien) das Rennen machen wird. Prognostizieren lässt sich aber, dass die Aufgabe für den neuen Direktor oder die neue Direktorin gross sein wird. Doch bei allen Schwierigkeiten, die in der globalen Gesundheitsgouvernanz herrschen, unlösbar sind sie nicht.

Ein grundsätzliches Problem aus Schweizer Sicht gibt es aber sicher: Kürzlich habe ich mit jemandem gesprochen, der in der Schweizer Gesundheitspolitik engagiert ist. Ich habe vorgeschlagen, man könnte ja mal eine Veranstaltung mit ParlamentarierInnen und dem oder der neuen WHO-GeneraldirektorIn organisieren. Reaktion: Kurzes Augenverdrehen und dann die geäusserte Vermutung, dass ein Schweizer Politiker doch nicht einen oder eine WHO-VertreterIn treffen wolle.

Anwältin des Rechts auf Gesundheit

Es scheint, dass die WHO hier in der Schweiz also vor allem ein Reputationsproblem hat. Sie wird in gewissen Kreisen als ein Regulierungsmonster angesehen, das nichts anderes zur Mission habe, als unseren Lebensstil anzugreifen.

Angesichts solch unsinniger Vorwürfe empfehlen wir dem neuen Generaldirektor oder der neuen Generaldirektorin, sich offensiv als Anwalt oder Anwältin für die öffentliche Gesundheit und das Recht auf Gesundheit zu profilieren und die WHO als ehrliche und transparente Verwalterin des öffentlichen Gutes Gesundheit gegenüber privaten Interessen.

Martin Leschhorn Strebel
Geschäftsführer Netzwerk Medicus Mundi Schweiz

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