Wohin steuert die WHO?

Seit der Schweinegrippe scheint das WHO-Bashing zum guten Ton zu gehören. Und manchmal macht es die WHO ihren KritikerInnen auch nicht gerade allzu schwer. Im Januar wählte das Executive Board der WHO den Novartis-Mann Paul Herrling als Vertreter in die Beratende Arbeitsgruppe zur Finanzierung von Forschung und Entwicklung. Herrling gilt durchaus als kompetenter Mann – blöd nur, dass er in diesem Amt unter anderem einen von ihm selbst initiierten Vorschlag über 10 Milliarden Dollar wird begutachten müssen.

Trotz des lockeren Umgangs mit möglichen Interessenkonflikten – die WHO ist besser als ihr Ruf. Und sie ist die einzige, international legitimierte Koordinationsstelle für die internationale Gesundheitspolitik. Es ist vor diesem Hintergrund zu begrüssen, dass die Generaldirektorin Chang einen Reformprozess initiieren möchte, der die Rolle der WHO in der internationalen Gesundheit stärken soll. Erste Punkte des Programmes sollen den Delegierten an der Weltgesundheitsversammlung im Mai vorgelegt werden.

Zentral wird sein, dass die WHO freier und autonomer im Umgang mit den eigenen finanziellen Mitteln werden kann. Unterdessen werden über Dreiviertel des WHO Budgets durch Mittel belegt, die von den Gebern bereits für ihren Interessen dienende Projekte reserviert sind. Damit wird die WHO in ihrer Fähigkeit auf die globale Gesundheit einzuwirken, massiv eingeschränkt.

Martin Leschhorn Strebel Mitglied der Geschäftsleitung

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