Universal Health Coverage und die globale Gesundheit nach 2015

MMS Symposium

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Ashal Alnur Ani, a nurse at the hospital, tests one of the new beds. El Daein, Sudan (UN Photo/Albert González Farran)

Wie soll die Gesundheitspolitik global gestaltet werden, um Gesundheit auch für die ärmsten Bevölkerungen in Entwicklungsländern zu sichern? Darum geht es unter anderem bei der gegenwärtigen internationalen Debatte über die neuen Entwicklungsziele für die Zeit nach 2015. Die Weltgesundheitsorganisation propagiert Universal Health Coverage (UHC) als Mittel, um Gesundheit für alle finanzierbar und zugänglich zu machen. Am diesjährigen MMS Symposium diskutieren wir die Debatte um Definition und Ausgestaltung von UHC in Hinblick auf die neue entwicklungspolitische Agenda kritisch.

Universal Health Coverage (UHC), auf Deutsch am besten mit „allgemeine Gesundheitsversorgung“ übersetzt, wurde von der WHO als Vorschlag für ein Oberziel für den Gesundheitsbereich in die Debatte rund um Nachfolgeziele für die MDGs eingeführt. Die WHO versteht UHC zunächst als ein System, das die Bereitstellung des Zugangs zu den benötigten Gesundheitsdienstleistungen sichert, ohne dass dabei für die NutzerInnen finanzielle Härten entstehen.

Im Weltgesundheitsbericht 2010 („Health systems financing: the path to universal coverage“)  stand bei der Definition von UHC noch eindeutig die Gesundheitsfinanzierung im Zentrum, heute wird der Begriff von der WHO umfassender – und schwammiger – genutzt, auch im Sinne einer allgemeine Stärkung der Gesundheitssysteme oder gar als Nachfolgebegriff für „Gesundheit für alle“. Die Verabschiedung der Resolution „Transition of National Health Care Systems towards Universal Coverage“  durch die UNO-Generalversammlung im Dezember 2012 zeigt aber auch, dass das Konzept eine grosse Ausstrahlung erhalten hat.

UHC ist interessant, weil das Konzept den Zugang zur Gesundheitsversorgung mit der Finanzierungsthematik verknüpft und einen umfassenden Versorgungsanspruch benennt. Der erneuerte Fokus auf das Gesundheitsversorgungssystem ist auch gegenüber den vertikalen, krankheitsbezogenen Zielen der MDGs ein klarer Fortschritt.

Anderseits wird die geläufige unkritische und überschwängliche Verwendung von UHC als Nachfolgeslogan von „Health for all“ oder „Primary Health Care“ zu Recht kritisiert. Das Konzept verleitet dazu, Gesundheit und ihre Grundlegung (im holistischen Sinn) auf Zugang zur Gesundheitsversorgung zu reduzieren und klammert die wichtigen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Determinanten von Gesundheit zunächst einmal aus. Auch ist genau hinzuschauen, wie denn eine allgemeine Gesundheitsversorgung auszugestalten ist, das sie wirklich alle Menschen erreicht und über ein Minimalpaket hinausgeht, und wo in der Umsetzung von UHC in ressourcenarmen Ländern die Verantwortung der einzelnen Staaten durch eine Verantwortung der internationalen Gemeinschaft ergänzt werden sollte. „Nicht alles geht auf dem Weg zu UHC“, lautete der Titel eines kürzlichen Beitrags im WHO-Bulletin.

RednerInnen

David B. Evans, WHO
Gerhard Siegfried, DEZA
Remco van de Pas, wemos/MMI
Pia Fankhauser Zenhäusern, Landrätin Kanton Basel-Landschaft
Claude Meyer, P4H
Blague Dadjim, Tschad
Hélène Aye Mondo, Kamerun
Simon Nkok, Kamerun
Manfred Stoermer, Swiss TPH
Eduardo Lambertin, Bolivien
Michael Gerber, DEZA
Tania Dussey-Cavassini, BAG

Informationen

Martin Leschhorn Strebel, Netzwerk Medicus Mundi Schweiz

martin.leschhorn@medicusmundi.ch