Angesichts der Hitzewelle: Klimawandel und Gesundheit

Ein weiterer Hitzesommer und eine unglaubliche Dürreperiode: Solange mein Hirn noch einigermassen arbeitsfähig ist ein paar Gedanken zum Klimawandel und den gesundheitlichen Folgen. Ein gutes Dossier von Plos Medicine hilft mir beim Denken und ein paar Aspekten zusammenzutragen.

Auffallend bei der Auseinandersetzung mit dem Klimawandel und seinen Folgen auf die Gesundheit sind die Abhängigkeiten von Ursachen, Folgen und Massnahmen. Klimawandel und Gesundheit erfordert immer ein systemisches Denken – etwas, das uns als im Public-Health-Bereich tätige Menschen ja durchaus vertraut ist. Eine der wichtigsten Massnahmen gegen den Treibhauseffekt ist die massive Einschränkung fossiler Energieträger. Dies kann darauf, wie wir uns fortbewegen, massive Folgen haben. Idealerweise schränken wir den motorisierten Individualverkehr ein und bewegen uns mehr zu Fuss oder mit dem Fahrrad. Dazu braucht es weltweit neue Ansätze in der Stadtplanung. Dies hätte nicht nur einen positiven Effekt auf den Klimawandel, sondern würde auch den Kampf gegen die nicht-übertragbaren Krankheiten unterstützen.

Klimawandel und Zweiklassengesellschaft

Ein anderer systemisch geprägter Gedanke ist mir in meinen Sommerferien in Schweden gekommen: Das Land im hohen Norden leidet unter einer Hitze- und Dürreperiode, was ja für einen Touristen nicht nur unangenehm ist. Ausser man befindet sich in Stockholm in einem Hotel, das über keine Klimaanlagen in den Zimmern verfügt. Einmal abgesehen davon, dass Klimaanlagen aufgrund des notwendigen Energieverbrauchs fragwürdig sind, hat das Hotelmanagement versucht, den Gästen wenigsten Ventilatoren zur Verfügung zu stellen. Damit war der Kampf um die beschränkt vorhandenen Propellermaschinen lanciert. Glück hatte, wer zur rechten Zeit, Ventilatoren gelten machen konnte und ausserdem nicht in einem der kleinen Zimmer direkt unter dem Dach untergebracht war. Im Hotel ist damit eine Zweiklassengesellschaft entstanden: Die einen konnten die Hitze einigermassen abmildern, die anderen waren ihr schutzlos ausgesetzt.

Massnahmen, um den Klimawandel zu bewältigen und gesundheitlich einigermassen unbeschadet zu überstehen, haben auch mit der gesellschaftlichen Stellung und den ökonomischen Möglichkeiten zu tun. Eine der von Plos Medicine veröffentlichten Studien zeigt aufgrund der Cap-and-Trade-Programmes in Kalifornien zudem, dass politische Interventionen auf bereits ökonomisch und sozial benachteiligte Gemeinden gesundheitlich negative Folgen haben können – mitunter also die Ungleichheit noch verstärken können. (Lara Cushing et al: Carbon trading, co-pollutants, and environmental equity: Evidence from California’s cap-and-trade program (2011–2015); July 10, 2018, https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1002604).

Martin Leschhorn Strebel
Netzwerk Medicus Mundi Schweiz

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