Gerade jetzt: Solidarität mit dem Pflegepersonal – und zwar weltweit

Diesen 7. April 2020 ist der Weltgesundheitstag, der im Jahr der dem internationalen Jahr des Pflegefachpersonals und der Hebammen dieser Berufsgruppe gewidmet ist. Angesichts der weltweiten Gesundheitskrise erhält der Tag eine besondere Bedeutung.

Ich sitze in Basel in diesen seltsamen Corona-Tagen – und irgendwie fühle ich mich amputiert. Die Grenzen zu Baden-Württemberg geschlossen – die Grenzen zum Elsass geschlossen… Mit diesen Grenzschliessungen geht eine für die Lebensqualität, für die Kultur und mehr noch für die regionale Identität zentrale Eigenschaft verloren, die Einbettung in einer trinationalen Region.

Solidarität im Zeichen des Landigeistes?

Damit richtet sich unser Blick mehr gegen innen – und auch unsere Solidarität richtet sich hierin, in unser nächstes Umfeld und in die Schweiz. Der Blick über die Grenze geht dabei verloren, die transnationale Solidarität droht zu verschwinden und wird durch ein nationales Gemeinschaftsgefühl verdrängt, das einen modernen Landigeist aufkeimen lässt. Und so bin auch ich dem Aufruf der nationalen Radiostation gefolgt, die heute nicht mehr Radio Beromünster heisst, und applaudierte zusammen mit der ganzen Schweiz für unser Gesundheitspersonal und insbesondere für unsere Krankenpfleger*innen.

Unsere Krankenpfleger*innen? Rund 30 Prozent der Pflegefachleute haben einen ausländischen Pass, und 10% davon sind Grenzgänger*innen (Quelle: Infosperber), die auch nach der Grenzschliessung noch in die Schweiz einreisen dürfen. Am Universitätsspital Basel sind 900 von 5‘500 im Gesundheitsbereich Angestellte Grenzgänger*innen (Quelle: bz Basel). Und einige davon kommen täglich aus dem Elsass in die Schweiz. Aus dem Elsass! Aus einer der Regionen, die weltweit am meisten von den Folgen des Coronavirus‘ betroffen ist. Einer Region, in der die Gesundheitsversorgung gerade am Zusammenbrechen ist.

Jetzt sind Taten gefragt

In Zeiten des Coronavirus‘ spielen die nationalen Gesundheitssysteme eine zentrale Rolle in der Bewältigung der Krise. Dies hat wesentlich damit zu tun, dass wir uns in politischen Funktionsräumen bewegen, die sich gerade im Gesundheitsbereich mit den nationalen Grenzen decken. Doch gerade die Situation in Basel zeigt die Beschränktheit dieser nationalen Funktionsräume auf.

Deshalb muss unser solidarisches Handeln wieder übernational greifen. Solidarisch den Krankenpfleger*innen gegenüber sein heisst heute, am 7. April 2020, dem Weltgesundheitstag und dem internationalen  Jahr des Pflegefachpersonals und der Hebammen, mit dem Gesundheitspersonal weltweit solidarisch zu sein – befindet sich dieses nun in Basel, in Mulhouse oder in Harare, in den Städten wie auf dem Land. Solidarisch sein heisst anzuerkennen, dass es eine zentrale Rolle für die Gesundheitssysteme überall auf der Welt spielen und dass es in einigen Ländern so wenige von ihnen gibt, dass dort die Gesundheitskrise nicht nur zu Pandemiezeiten Alltag ist.

Solidarisch mit den Krankenpfleger*innen zu sein heisst, sich für gute Arbeitsbedingungen  in Pflege weltweit einzusetzen – auch hier in der Schweiz. Noch immer bildet die Schweiz gemessen an ihrem Bedarf nicht genügend Krankenpfleger*innen aus und lässt diese unter Bedingungen arbeiten, dass viele von ihnen ihren Beruf bald schon wieder verlassen. Unser Land verstösst damit gegen den Kodex zur Rekrutierung von Gesundheitspersonal der Weltgesundheitsorganisation und befeuert damit auch die Abwanderung aus Ländern mit schwachen Gesundheitssystemen.

Martin Leschhorn Strebel
Netzwerk Medicus Mundi Schweiz

 

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