Keine sexuelle Gesundheit ohne eine starke Zivilgesellschaft

Minderjährige, schwangere Mädchen, welchen in Tansania der Schulbesuch verweigert wird, Verfolgung von Homosexuellen in Uganda, rigide Gesetze gegen Abtreibungen in den USA – rund um die Welt wird die Arbeit für sexuelle und reproduktive Rechte schwieriger. Dies ist ein zunehmendes Problem für die öffentliche Gesundheit.

Ob an einer Podiumsveranstaltung, das unser Netzwerk Medicus Mundi Schweiz (MMS) kürzlich am Rande der Weltgesundheitsversammlung in Genf mitveranstaltet hat, ob an der MMS Fachtagung zur Rolle von Jugendlichen in der sexuellen und reproduktiven Gesundheit oder aber in einem med in Switzerland, das Susanne Rohner (SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz) kürzlich für MMS verfasst hat: Der Befund ist überall gleich – der Raum für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte wird immer enger. Der Begriff „shrinking space“ verwischt dabei, worum es wirklich geht. Er bedeutet nichts anders, als dass weltweit über Gesetze und Kampagnen kritische zivilgesellschaftliche Stimmen aus dem öffentlichen Raum gedrängt werden.

Public Health ist politisch

Es ist offensichtlich: Die in der Gesellschaft Mächtigen fühlen sich durch diese kritische Stimmen bedroht, welche soziale Probleme auf den Tisch bringen, Ungleichheit anprangern und nach gleichen Rechten für alle rufen. Das Problem für den Gesundheitssektor besteht nun darin, dass die öffentliche Gesundheit immer Teil des gesellschaftlichen Diskurses und aus diesem Grunde auch per se politisch und potentiell gefährlich ist.

Gerade die Forderung nach sexuellen Rechten, die untrennbar mit der sexuellen und reproduktiven Gesundheit verknüpft sind, ist für konservative Kreise bis heute eine Provokation – und zwar weltweit, auch in der Schweiz. Wir können weder bei sexuell-übertragbaren Krankheiten noch im Kampf gegen genderbasierter Gewalt Fortschritte erzielen, ohne auch die gesellschaftlich Diskriminierten direkt anzusprechen und sie in ihren Rechten zu stärken.

Legitimitätsprobleme der Zivilgesellschaft

Deshalb braucht es im Gesundheitsbereich eine starke Zivilgesellschaft. Wenn wir allerdings zurückschauen auf die Debatten vor rund einem Jahr im Zusammenhang von sexuellen Übergriffen in Nichtregierungsorganisationen, respektive durch Mitarbeiter von Hilfswerken gegenüber Begünstigten der internationalen Zusammenarbeit, kommen wir nicht darum herum festzuhalten: Wenn Organisationen der internationalen Zusammenarbeit nicht fähig sind, gemäss ihren eigenen Standards zu arbeiten, schwächen sie sich selbst in ihrer Legitimität, den eingeschränkten öffentlichen Spielraum anzuprangern.

Martin Leschhorn Strebel
Netzwerk Medicus Mundi Schweiz


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