Arbeiten in fragilen Kontexten nicht ohne Einbezug der lokalen Gemeinschaften

Das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz widmet sich in diesem Jahr schwerpunktmässig der Gesundheitszusammenarbeit in fragilen Kontexten. Der Versuch einer Zwischenbilanz vor dem grossen MMS Symposium im November.

Die gesundheitliche Situation dort verbessern, wo der Staat das Recht auf Gesundheit nicht garantieren kann, wo jegliche Investitionen in die Gesundheit aufgrund von politischen oder gewalttätigen Auseinandersetzungen zerrieben werden. Das sind die besonderen Herausforderungen der Gesundheitszusammenarbeit. Doch sollen die Hilfswerke gerade dort die Finger davon lassen, weil der Erfolg in diesen fragilen Kontexten nie und nimmer garantiert ist? Wollen wir in der internationalen Zusammenarbeit auch langfristige Erfolge, können wir uns diesen Herausforderungen nicht entziehen.

Das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz hat sich dieses Jahr intensiv mit der Gesundheitszusammenarbeit in diesen fragilen Kontexten auseinandergesetzt. Im Mai haben wir zusammen mit Medicus Mundi International einen Side Event an der Weltgesundheitsversammlung organisiert. Im August diskutierten rund 80 Personen die Thematik an einer gemeinsamen Fachtagung der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit, des Schweizerischen Roten Kreuzes und des Netzwerks Medicus Mundi Schweiz. 

Die Schwierigkeit beginnt schon mit der Definition, was denn nun fragile Kontexte überhaupt seien. Schnell operieren wir mit einer Begrifflichkeit, in der bald schon jedes ressourcenschwache Land als fragil gilt. Sicher sind in vielen Ländern, in welchen unsere Mitgliedorganisationen Gesundheitsprogramme durchführen, die Herausforderungen gross, das Umfeld von einer Vielzahl von Instabilitäten gekennzeichnet.

Schwierige Begrifflichkeit

In einem Beitrag für das eben erschiene Buch „Privileg Gesundheit? Zugang für alle!“ (Hrsg. vom Schweizerischen Roten Kreuz, Seismo Verlag, 2016) beschreibt Verena Wieland Fragilität als einen dynamischen Prozess, der „auf einem komplexen und explosiven Mix an Faktoren gründet, die sich gegenseitig verstärken oder reproduzieren.“ Eine Folge dieses Prozesses besteht darin, dass Gesundheitsprogramme primär im besten Fall durch die Sicherstellung der Grundversorgung eine Stabilisierung erzielen können, im schlechteren Fall selbst destabilisierend wirken. Oder mal ganz einfach gesagt: In stabilen Kontexten leistet die Gesundheitszusammenarbeit ihren aufbauenden Beitrag zur Entwicklung eines Landes – in fragilen Kontexten kann sie nur dafür sorgen, dass Bestehendes nicht zusammenbricht.

Lokale Gemeinschaften im Fokus

Einig sind sich die an der Diskussion beteiligten Fachleute dahingehend, dass den lokalen Gemeinschaften eine Schlüsselrolle zufällt, wenn es darum geht, stabilisierend zu wirken oder gar Wege aus der Fragilität hinaus zu beschreiten.

Um dies differenziert zu erörtern, haben wir die Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften in fragilen Kontexten ins Zentrum des MMS Symposiums vom 2. November 2016 gestellt. Lokale Gemeinschaften sind ein zentrales Puzzelteil, um in fragilen Regionen und Ländern langfristig das Recht auf Gesundheit zu garantieren.

Martin Leschhorn Strebel
Netzwerk Medicus Mundi Schweiz
mleschhorn@medicusmundi.ch

Newsletter abonnieren