Nichtübertragbare Krankheiten und ihre Determinanten

Man spricht von einer regelrechten Epidemie, die auch ressourcenschwächere Länder erreicht hat. Die Verbreitung von chronischen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Krebs wird dabei von sozialen und wirtschaftlichen Faktoren bestimmt.

Im neuen Jahr nimmt das Netzwerk Medicus Mundi Schweiz die Thematik der nichtübertragbaren, chronischen Krankheiten ins Visier. Damit starten wir auch mit einem neuen Schwerpunktthema, das uns in der nun beginnenden Strategieperiode verstärkt begleiten soll.

Neu ist die Thematik für das Netzwerk nicht: Immer wieder haben wir sie im Rahmen unseres Symposiums oder unserer Fachzeitschrift, MMS Bulletin, aufgegriffen. Denn eines ist klar: Herzkreislauferkrankungen, Diabetes und Krebs sind längst keine Wohlstandskrankheiten der reichen Länder mehr; sie stellen vielmehr eine grosse zusätzliche Herausforderung für die Gesundheitsversorgung in Ländern des globalen Südens dar.

Globalisierung, Mexiko und der Zucker

Dies hat nicht zuletzt mit der Globalisierung zu tun: Verarbeitete Lebensmittel und zuckerhaltige Süssgetränke verbreiten sich weltweit und schrankenlos. Sie verdrängen bestehende Ernährungsgewohnheiten. Ein extremes Beispiel ist Mexiko. Seit dem Beitritt zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen haben Übergewicht und Diabetes extrem zugenommen. 2012 stammten die drei wichtigsten Kalorienquellen, welche MexikanerInnen zu sich nahmen, von hochkalorienhaltigen Süssgetränken. Das Land hat denn auch weltweit weitaus die höchste Todesrate aufgrund von chronischen Krankheiten.

Mexiko hat reagiert: Trotz erbittertem Widerstand der Lebensmittelindustrie hat es als eines der ersten Länder eine Steuer für Süssgetränke eingeführt. Ausschlaggebend dafür waren der Finanzbedarf des Staates und eine in der Thematik Ernährung und Gesundheit stark engagierten mexikanischen Zivilgesellschaft.

All dies zeigt, dass die Epidemie der chronischen Krankheiten nicht einfach eine schicksalshafte Entwicklung sondern sehr stark mit sozialen und wirtschaftlichen Determinanten der Gesundheit verknüpft ist.

Martin Leschhorn Strebel
Netzwerk Medicus Mundi Schweiz


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