Die Party der Partnerschaften

Partnerschaften der unterschiedlichsten Akteure werden zurzeit als der Königsweg zur Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele gefeiert. Kritisch hinterfragt werden sie aber kaum.

Partnerschaften zwischen Bildungs- und Gesundheitsorganisationen, Partnerschaften zwischen dem Privatsektor und staatlichen Akteuren, Partnerschaften zwischen globalen Gesundheitsinstitutionen mit unterschiedlichstem Auftrag – Partnerschaften werden zurzeit an allen Anlässen und auf allen Foren und in allen Dokumenten propagiert und gefeiert. Das ist grundsätzlich auch richtig: Zu lange haben sich die verschiedensten Akteur*innen in ihren Silos bewegt und dazu beigetragen, dass sich die Architektur in der globalen Gesundheit in der Ära der Millenniumsziele fragmentiert hat. Die völlig anders strukturierte Agenda 2030 verlangt nun ganz neue Formen der Zusammenarbeit, was auch im SDG-Ziel 17 (Partnerschaften zur Erreichung der Ziele) formuliert wird.

Doch der Weg von der Party der Propagierung von Partnerschaften zur realen Welt ist ziemlich steinig. Ausgeblendet werden in der Regel die Machtverhältnisse und Interessenskonflikte zwischen den Partnern. Hinzu kommen die institutionellen Grenzen: Sich widersprechende interne Regulationen, eigenständig entwickelte Gouvernanzsysteme und ein mangelhaftes Verständnis der eigenen Rolle bilden hohe Hürden, um effektiv gemeinsame Programme durchführen zu können. Partnerschaften ohne institutionellen Wandel sind selten möglich.

Das MMS Manifest Gesundheit für alle in einer Generation bringt die Notwendigkeit des Wandels aus der Sicht von Nichtregierungsorganisationen auf den Punkt: „Mit der konsequenten Umsetzung der Agenda 2030 wird sich auch die Rolle der in der internationalen Zusammenarbeit engagierten Schweizer Organisationen weiter verändern. Wir werden immer weniger selbst Projekte und Programme umsetzen; lokale Partner werden noch mehr diese Aufgabe übernehmen; unsere Rolle wird noch stärker diejenige eines Fazilitators, eines Vermittlers von Wissen und noch fehlenden Ressourcen sein.“

Die Aussage ist klar: Partnerschaften sind zur Erreichung der Ziele der Agenda 2030 zentral – ohne Änderung unserer eigenen Arbeitsweise geht dies aber nicht. Viele, die zurzeit die Party der Partnerschaften feiern, haben diese Erkenntnis noch nicht berücksichtigt.

Martin Leschhorn Strebel
Netzwerk Medicus Mundi Schweiz

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